Ergebnisse der energetischen Quartierssanierung Wettersbach

Die Karlsruher Klimaschutzagentur (KEK) hat Wetterbach in den letzten drei Jahren auf den Weg zur klimaneutralen Gemeinde begleitet. Jetzt erfolgte eine erste Bilanz zu den durchgeführten Gebäudesanierungen. Es wurde durch die Beratungen einiges erreicht, doch es muss von allen Quartiersbewohnerinnen und –bewohnern noch viel mehr getan werden, um die Klimaneutralität im Jahr 2050 zu erreichen.

 

Was sind die wichtigsten Ergebnisse Herr Dr. Gewiese, Gebäudeenergieberater von der KEK?

Seit Ende 2016 konnten wir durch Interviews von Eigentümern/innen rund 40% der 1.400 untersuchten Gebäude energetisch im Detail erfassen. Für diese Interviewmöglichkeit bedankt sich die KEK nochmals bei allen ganz herzlich. Das zeigt: Wettersbach hat viele engagierte Bürgerinnen und Bürgern für den Klimaschutz.  Für die Jahre 2017/18 konnten wir die uns gemeldeten 15 Sanierungen und 14 Heizungserneuerungen bilanzieren. Dabei erfolgte die Auswertung getrennt nach der Gebäudehüllensanierung, dem Heizungsaustausch und dem Ausbau an Photovoltaikanlagen (PVA). Das Ergebnis zeigt deutlich, dass die Heizung noch zu häufig auf fossile Energieträger, wie ein Ölbrennwertheizung umgestellt wird. Dadurch wird die für die Klimaneutralität notwendige Kohlendioxidreduktion nur zu 8% erreicht. Der Ausbau an Photovoltaikanlagen (PVA) sollte verdreifacht werden. Denn nur mit dem Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung und ausreichend PVA kann die Klimaneutralität überhaupt erreicht werden.

 

Was bedeutet das im Detail für engagierte Bewohner, die ihre Heizung sanieren wollen?

In Wettersbach haben ca. 60% der Gebäude eine Ölheizung, die oft älter ist als 20 Jahre. Häufig werden diese Heizungen durch eine neue und effizientere Ölbrennwertheizung ersetzt. Doch Öl- und Nachtspeicherheizungen haben im Vergleich zu Heizungen mit regenerativen Energieträgern, wie Wärmepumpen oder Pelletheizungen, eine bis zu 10fach höhere Kohlendioxidemission pro kWh Heizenergie. Oft informiert der Heizungsfachmann auch nur über die einfachste Lösung, anstatt alle Heizungstechniken für das Gebäude zu prüfen. Hier berät die KEK, wenn eine verkaufsneutrale Information gewünscht wird. Mein Wunsch ist es, dass bei der Heizungssanierung der Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung besser berücksichtigt wird und nicht nur zu den vom Land Baden-Württemberg geforderten 15%. Am besten sollten 25 Gebäude pro Jahr auf regenerative Energien zur Wärmeversorgung umsteigen. Dann lässt sich damit ein klimaneutrales Wettersbach erreichen.

 

Aber das ist doch meist viel teurer als der einfache Brennwertheizungsaustausch oder?

Das hängt immer von der Art der Kostenbetrachtung ab. Die Frage ist, werden nur die Investitionskosten oder auch die Betriebs- und Entsorgungskosten mit einer Vollkostenrechnung berücksichtig. Bei der Vollkostenrechnung haben regenerative Energien die Nase vorn. Und das wird in den kommenden Jahren immer wichtiger, wenn die Betriebskosten für fossile Energieträger steigen. Vor allem Gebäude mit Nachtspeicherheizungen können hier erhebliche Betriebskosten einsparen. Und wenn dazu auch noch eine Photovoltaikanlage (PVA) mit Eigenstromnutzung z.B. für die Wärmepumpe eingesetzt wird, sinken die Betriebskosten nochmals. Je nach Aufwand können Amortisationszeiten auf unter 10 Jahre sinken.

 

Was ist mit dem Zubau an Photovoltaik?

Zur Bilanzierung eines klimaneutralen Wettersbach müssen nach unserem Szenario 2050 rund 150 kWpeak pro Jahr im Quartier installiert werden. Das wären etwa 25 Gebäude pro Jahr, bei denen eine PV-Leistung von typischen 6 kWpeak angeschlossen werden. In den letzten beiden Jahren wurden gemäß der Bundesnetzagentur jedoch nur 25 kWpeak je Jahr installiert. Um auf den geforderten Ausbau zu kommen, muss das vorhandene Dachflächenpotenzial noch nicht einmal vollständig ausgenutzt werden. Und je nach eigenem Stromlastprofil und vorhandener Technik kann der Besitzer seinen Strombezug durch Eigenstromnutzung um 20-60% senken. Bei Eigenstromkosten von 10-12 Cent/kWh amortisiert sich solch eine PVA sehr schnell, da die normalen Stromkosten bei ca. 29 Cent/kWh liegen. Wer keine eigene PVA installiert, nutzt die vorhandenen Kostenreduktionen einfach nicht aus. Selbst notwendige Kreditkosten für solch eine PVA lassen sich durch die Stromkostenreduktion meist sehr einfach finanzieren. Auch hier kann die KEK bei Interesse kostenfreie Erstberatungen anbieten.

 

Was ist das Resultat aus diesen Erkenntnisse?

Wenn der Ausstieg aus der fossilen Energieversorgung und der PVA-Ausbau verstärkt werden und die kostenintensive Gebäudehüllensanierung nur leicht gesteigert wird, kann Wettersbach die Klimaneutralität bis zum Jahr 2050 erreichen. Jeder soll mitmachen und dazu beitragen. Denn Klimaschutz betrifft jede(n) Bürger/in.